index

 

Wilhelm G.Busse

date and publication details not known

go to: line 62; click "unwiederstehlich" to return

Über mich selbst kann ich ein wahres Lied erzählen,
von Reisen sagen, wie ich in harten Tagen
oft Leid erduldete,
bittere Herzenssorge erlitten habe,
mit dem Kiel [= Schiff] viele Sorgenstätten erkundet [habe],
das schreckliche Tosen der Wellen, wo mich oft festhielt
die beunruhigende Nachtwache beim Steven des Nachens,
wenn er an die Klippen schlug. Von Kälte durchdrungen
waren meine Füße, durch Frost gebunden
in kalten Fesseln, während die Sorgen heiß
im Herzen klagten; der Hunger zerriß innen
des Meermüden Sinn. Solches kennt nicht der Mann,
dem auf der Welt das Schönste widerfährt:
wie ich armselig die eiskalte See
winters bewohnte auf den Spuren des Elends,
der freundlichen Verwandten beraubt,
mit Eiszapfen behängt; der Hagel flog in Schauern.
Dort hörte ich nur die See stürmen,
die eiskalte Welle. Zuweilen machte ich mir den Gesang der
Schwans zur Unterhaltung, den Laut des Tölpels und den
Lärm des Brachvogels [nahm ich] als Gelächter der Männer,
die schreiende Möwe als Mettrunk.
Die Stürme schlugen dort gegen die Steinklippen, wo ihnen
[die Seeschwalbe antwortet,
die eisigfedrige; sehr oft beschrie [= antwortete] das der Adler,
der taufedrige; keiner der schützenden Verwandten
vermochte das traurige Herz zu trösten.

Daher glaubt wenig von den Schreckensreisen derjenige,
der die Wonnen des Lebens in den Burgen erfahren hat,
herrlich und weinselig, wie ich oft trübselig
auf den Seewegen bleiben mußte.
Der Nachtschatten dunkelte, von Norden her schneite es,
die Kälte band den Boden, der Hagel fiel zur Erde,
das kälteste der Körner. Deswegen bedrängen [mich] jetzt
die Gedanken des Herzens, daß ich die tiefen Ströme,
das Spiel der Salzwellen selbst erkunde -
es gemahnt des Herzens Lust, der Sinn, ein jedes
Mal zu fahren, so daß ich weit von hier
das Land der Fremde besuchen möge -
weil kein so kühner Mann auf der Erde lebt,
keiner, der in seinen Gaben so großzügig, in seiner Jugend
                              [so tapfer,
in seinen Taten so kühn, dem sein Herr [noch]
                              [so hold ist,
daß er nicht immer wegen seiner Seefahrt Sorgen hätte,
zu was ihn sein Herr [= Gott] bestimmen will.
Nicht steht ihm der Sinn nach der Harfe oder dem Schatzempfang,
noch hat er Wonnen des Weibes oder Freude der Welt [im Sinn] -
noch irgendetwas anderes außer dem Tosen der Wellen;
denn immer hat der Sehnsucht, der auf das Wasser will.
Die Haine erblühen mit Blumen, verschönern die Wohnstätten,
machen die Wiesen schön: die Welt eilt vorwärts;
alles dies [wörtl. Pl.] gemahnt den im Sinn Bereiten,
[gemahnt] das Herz zur Reise bei demjenigen, der so beabsichtigt,
weit auf die Flutwege zu fahren.
Ebenso gemahnt der Kuckuck mit klagender Stimme; es
singt des Sommers Wächter, bringt [wörtl. verkündet] mit Sorge
Bitternis in das Herz. Das weiß nicht der Mann,
der glückselige Krieger, was da einige erleiden,
für die die Elendsspuren am weitesten führen.

Daher wendet sich jetzt mein Sinn über das
                              [ Herz hinaus,
mein Herzensgedanke reist mit der Meeresflut
über die Wohnstatt des Wals weg hinweg,
über die Gegenden der Erde, kommt dann wiederum zu mir,
sehnsüchtig und gierig; es ruft der einsame Flieger,
zieht unwiderstehlich das Herz auf den Wal-Weg
über die Fülle der Wasser, weil mir lieber sind
die Freuden des Herrn [= Gott] als dies tote Leben,
das Vergängliche auf dem Land. Ich glaube nicht,
daß die Schätze der Erde ewig bestehen bleiben.
Immer wird in jeder Lage eines von drei Dingen
vor [des Menschen] letzter Stunde zur Ungewißheit:
Krankheit oder Alter oder Schwerthaß [= Krieg]
nehmen dem Todbestimmten das Leben ab.
Daher ist für jeden der Krieger das Lob der Nach-Sprecher,
der Lebenden, der beste Nachruhm,
den er erringe, bevor er auf den Weg muß,
durch gute Taten auf der Erde gegen den Haß der Feinde,
durch tapfere Taten gegen den Teufel,
so daß ihn die Kinder der Menschen nachher preisen
und sein Lob danach mit den Engeln [weiter]lebe
für immer und ewig: der Ruhm des ewigen Lebens,
die Freude mit den himmlischen Heerscharen.

                                        Die Tage sind vergangen,
all der Pomp des irdischen Reiches;
es gibt jetzt keine Könige oder Kaiser
oder Goldgeber mehr, wie es sie einstmals gab,
als sie unter sich am meisten Heldentaten vollbrachten
und in herrlichstem Ruhme lebten.
Die ganze Kampfschar ist gefallen, die Freuden sind
                              [vergangen;
es leben jetzt die Schwächeren und regieren diese Welt,
besitzen sie durch Mühen. Ruhm ist erniedrigt,
die edle Tugend altert und vergeht auf der Erde,
So wie jetzt auch jeder Mann auf der Welt.
Das Alter überwältigt ihn, [sein] Antlitz wird bleich,
der Grauhaarige klagt, weiß, daß sein früherer Freund,
der Sohn der Prinzen, der Erde übergeben ist.
Nicht kann für ihn die Fleischhülle, wenn ihr
                              [das Leben verloren gegangen ist,
das Süße verschlingen oder Leid fühlen,
Nicht die Hand erheben oder mit Verstand denken.
Selbst wenn mit Gold das Grab bestreuen will
der Bruder für seinen Bruder, mit dem Toten beerdigen [will]
verschiedene Schätze, wird das nicht mit ihm gehen,
noch kann der Seele, die sündenvoll ist,
Gold wegen der Schreckensgewalt Gottes als Hilfe [dienen],
wenn er es zuvor verbirgt, während er hier lebt.

Groß ist die schreckliche Gewalt des Schöpfers, weswegen sich
                              [die Erde abwendet;
er schuf feste Gründe,
die Bereiche der Erde und den Hochhimmel.
Närrisch ist der, der seinen Herrn [= Gott] nicht fürchtet; ihn trifft
                              [der Tod unvorbereitet.
Glückselig ist der, der als Demütiger lebt; ihn erreicht
[die Gnade des Himmels,
der Schöpfer stärkt ihm den Sinn, weil er an seine
                              [Macht glaubt.
Der Mensch soll starken Sinn beherrschen und das in
                    [Kontrolle halten (und treu sein den Menschen 110a)
[oder: beständig im Vertrag] und rein in den Lebensweisen,
jedermann soll mit Maßen sich halten gegen
den Freund und gegen den Feind..... Schrecken [lacuna MS]
Selbst wenn er (seinen gewordenen Freund 115a) nicht
(voll des Feuers 113b) oder auf dem Scheiterhaufen
(verbrennend 114b) [sehen] will, ist das Schicksal [doch] stärker,
der Schöpfer mächtiger als irgendeines Mannes
                              [Gedanke.

Laßt uns bedenken, wo wir ein Heim haben,
und dann bedenken, wie wir dorthin kommen;
und dann mögen wir uns bemühen, daß wir dorthin dürfen
in die ewige Glückseligkeit,
wo das Leben abhängt von der Liebe des Herrn,
die Freude in den Himmeln. Dafür sei dem Heiligen Dank,
daß er uns würdigte, der Vater des Glanzes,
der ewige Herr, in alle Zeit. Amen.

 

 

back to other versions

top