C.W.M.Grein: 1857 Dichtungen der Angelsachsen stabreimend übersetzt ; 1857-59 go to line: click on line to return erzählen meine Fahrten, wie ich in Zeiten der Mühsal arbeitvolle Stunden oft erlebte von bitterer Sorge in der Brust beklommen, wie ich im Kiel durchfuhr der Kummersitze viele, der Wogen furchtbares Gewälze, allwo mir oftmals ängstliche Nachtwachen zu Theil ward an des Nachen Steven, wenn er an Klippen anstiess, von Kälte bedrängt: meine Füsse waren von dem Frost gebunden mit kalten Banden; Kummer seufzte da heiss um das Herz; es schnitt der Hunger innen das Gemüt des Meermüden. Das weiss der Mann nicht, der immerdar in Freuden hier auf Erden lebt, wie ich elend und kummervoll auf der eiskalten See den Winter über weilte auf Wanderzügen der Wonne verlustig und von Wervandten fern, behängt mit Eiszapfen: Hagel flog in Schauern. Ich hörte nichts da als die Hochflut tosen, die See die eiskalte, bisweilen des Schwanes Gesang: meine Wonne suchte ich an des Wasserhuhnes Stimme und am Schrei des Seehunds statt an den Scherzen der Männer, an der Möve der Singenden statt an des Methes Trinken. Es schlugen die Stürme an Steinklippen, wo ihnen die Seeschwalbe gab Antwort, die eisigbesiederte: gar oft besang der Adler das, bethaut an der Federn; trösten konnte den freudenarmen Sinn der Freunde keiner. Wenig glaubt das, wer nur Wonne des Lebens in den Wohnungen erfahrt und wenig Mühe weinuppig und stolz, wie ich oft wegemüde auf der Brandungstrasse bleiben sollte! Der Nachtschatten dunkelte, von Norden schneite es und Frost band die Erde, auf die Fluren fiel der Hagel, die kältesten der Körner. Drum bestürmen mich kräftig nun des Herzens Gedanken, dass ich die hohen Ströme der Salzwogen Getriebe selbst erprobe; an treibt mich des Gemütes Lust zu allen Stunden auf die Fahrt mich zu begeben, dass ich fern von hinnen der Ausländischen Erbland suche. Denn so mutstolz ist kein Mann auf erden, so gut in seinen Gaben noch in Jugend so mutig noch so tapfer in seinen Thaten, noch ihm sein Herr so hold dass er nicht wegen der Seefahrt immer Sorge trüge, was Gott der Herr mit ihm beginnen wolle. Er hat keinen Sinn für die Harfe noch für die Spende der Ringe setzt nicht an einen Weib seine Wonne noch an die Welt seine Freude noch an irgend etwas anderes als an des Oceans Gewühl: es fühlt Sehnsucht immer, wer zur See hinstrebt. Die Bäume bekommen Blüten, es werden die Burgen lieblich und wonnsam die Fluren, die Welt ist munter: es mahnt dieses alles den im Gemüt beeilten hinaus zu ziehen, der also gedenkt fernhin zu wandern auf die Flutenwege; es mahnt die Guckguck auch mit seiner Jammerstimme, es singt des Sommers Wächter, Sorge entbietend bitter in den Brusthort. Dass weiss der Mann nicht, der gemächlich im Stück lebt, was die für Mühsal tragen, die gar weithin ziehen auf Wanderfahrten! Drum wandert mein Sinn nunmehr aus dem Verschluss der Brust meines Gemütes Trachten uber die Meeresfluten über des Walfisches Heimat, weithin schweifend über der Erde Fluren, kehrt wieder um zu mir gierig und verlaugend: es gellt der Einsamfliegende und treibt unwiderstehlich mich auf den Todesweg über der Holmflut Masse; denn meinen Herzen gilt weit mehr die Lust des Herrn als dieses Leben das todte das vergängliche im Lande: ich glaube nimmer, dass der Erdenreichtum ewig wird bestehen. Immer wird eins von dreien auf all Fälle, eh sein Zeitschrecken zweifelthaft wird, Siechtum oder Alter oder Schwerteshass abdringen das Leben dem zum Abschied bestimmten Sterblichen. Drum ist der Edelingen jedem der überlebenden der Nachredenden Lob, der Nachreden beste, dass er würke, eh er hinweg solle, kühn auf Erden wider den Kampf der Feinde mit tapferen Thaten dem Teufel entgegen, dass ihn die Kinder der Menschen künftig preisen und dass sein Lob alsdann lebe bei den Englen immer ohne Ende, das Glück des ewigen Lebens, bei den Heerschaaren Jubel! Dahin sind die Tage, und all der übermut des Erdenreiches; nun sind nicht Könige noch Kaiser mehr noch Austheiler des Goldes, wie sie ehedem waren, als sie am reichsten unter sich Ruhmthaten würkten und in dem edelsten Ansehen lebten: gesunken ist diese Schaar all, geschwunden der Jubel; nur die Schwächeren sind noch da und im Besitz der Welt, geniessen sie in Mühsal. Darnieder liegt das Glück, der Adel der Erde altet und verdorret, wie jetzt der Menschen jeder in dem Mittelkreise: das Alter fährt ihn an, das Antlitz bleichet, der greishaarige jammert, da er übergeben weiss der Erde die alten Freunde, der Edelinge Kinder. Es kann der Leib alsdann, wenn ihm das Leben flieht, nichts Süsses schmecken noch die Schmerzen fühlen, kann nicht die Hand bewegen noch im Herzen denken. Wenn das Grab auch will mit Gold bestreuen den Getragenen ein Bruder und bei dem Todten sie bestatten mit mancherlei Kleinoden, so will dass doch mit ihnen nicht: nichts kann der Seele, die volle Sünden ist das Gold je helfen vor Gottes Schrecken dem der es hütet vorher, solang er hier noch lebt. Gewaltig ist des Schöpfers Schrecken, vor dem sich wendet die Erde der den Grund der festen gegründet hat, dieser Erde Schooss so wie den Obenhimmel. Toll ist wer den Herrn nicht fürchtet, es kommt der Tod ihm unversehens; glücklich ist, wer in Demut lebt: ihm kommt die Gnade von den Himmeln und Gott stärkt ihm den Geist, dieweil er glaubt an seine Macht! steuern soll Mann dem starken Sinn und ihn in Schranken halten und gewis den Männern in seiner Weise lauter sollte der Menschen jeder sein Gemut in Maassen halten wider Feind und wider Freund ................ ........................................... ............... Es ist das Schicksal stärker und mächtiger der Schöpfer denn eines Mannes Gedanken Drum lasst uns beherzigen, wo wir Heimat sollen haben, und lasst uns dann auch erstreben, dass wir dereinstmals eingehen dürfen in die ewige Seligkeit, wo in der Liebe Gottes Leben ist bereit, hohe freude in den Himmeln! Des sei dem heiligen Dank, dass er uns gewürdigt hat, der Walter der Glorie, der ewige König, zu allen Zeiten! [BL 11623 c 18] |